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Gestrandet in Athen


Griechenland liegt an der europäischen Außengrenze und ist somit für viele Flüchtlinge das erste Ziel in Europa. 
Jährlich kommen 20.000 Asylsuchende nach Griechenland, doch es stehen nur 800 Schlafplätze zur Verfügung. Häufig setzen sie mit Booten von der Türkei über und werden dann auf griechischen Inseln wie Samos oder Lesbos aufgegriffen. Sie verbringen 1-3 Monate in einem gefängnisähnlichem Lager, wonach die meisten ohne Unterstützung in der Obdachlosigkeit landen und auf Almosen angewiesen sind. Die Chancen auf Asyl sind schlecht. 
Die Anerkennungsquote liegt bei unter einem Prozent. Viele versuchen daher mit falschen Pässen oder versteckt in Lkws in andere europäische Länder zu kommen. Das Abkommen von Dublin schreibt allerdings vor, dass Flüchtlinge dort wo sie das erste mal europäischen Boden betreten einen Asylantrag stellen müssen.
Griechenland ist mit der Situation total überfordert. Oft wird mit psychischer und körperlicher Gewalt gegen die Flüchtlinge vorgegangen, womit gegen die Genfer Flüchtlingskonvention verstoßen und die Menschenrechte missachtet werden.

Touré Lancine wurde 1981 in einem kleinen Dorf namens Ganiore in Cote d’ Ivoire geboren. Im Alter von 27 stirbt sein Bruder und hinterlässt seine Frau und 5 Kinder, die von nun an auf seine Unterstützung angewiesen sind. Touré kann jedoch keine Arbeit finden und beschließt, nach Europa zu gehen.

Nach einem Monat auf dem Meer kommt er in der Türkei an. Von Izmir aus bringt ihn ein Schlepper, der ihn 400 Dollar kostet, nach Lesbos/ Griechenland. Er hat Glück und muss nur eine Woche in dem Haftlager Pagani verbringen. Danach wird er nach Athen in die Ungewissheit entlassen, mit einem Papier in der Hand, welches er nicht versteht weil er weder lesen noch schreiben kann.
Touré hat nach einigen Tagen eine Unterkunft gefunden. In der 30qm kleinenWohnung leben 13 Afrikaner. Die Wohnung ist feucht und dreckig. Auf dem Boden sind alte Matratzen ausgelegt. Zwei Personen müssen sich eine teilen. Am Morgen sind ihre Beine voller Kakerlakenbisse. Die meiste Zeit verbringen die 13 Afrikaner in der Wohnung, denn die Angst vor den ständigen Kontrollen ist groß. Geld haben sie keins, genau so wenig wie Arbeit. Manche leihen sich etwas Geld um sich Waren wie gefälschte Uhren zu kaufen, die sie dann auf dem Schwarzmarkt anbieten.
Einmal am Tag suchen sie die Caritas auf um eine warme Mahlzeit zu erhalten. Jeden Samstag machen sie sich um 5 Uhr auf den Weg zur einzigen Ausländerbehörde Griechenlands, in der Hoffnung, eine der 10 Personen zu sein, die angehört werden und einen Asylantrag stellen können.